Gesünder leben mit der E-Zigarette?

Schließen sich die Wörter „Zigarette“ und „Gesundheit“ eigentlich nicht von vornherein kategorisch aus? Ist es ein erneuter Versuch, die Vorteile von etwas genuin schädlichem gleichsam herauszudestillieren und in ein neues, dem Zeitgeist entsprechendes Gesundheitsgewandt zu kleiden? Nach dem Motto: „Wir beseitigen einfach die Nebenwirkungen und behalten nur die Vorteile zurück.“ Es ist wie Eis ohne Zucker, Schokolade, Schnitzel und Pommes ohne Fett und Brot ohne Kohlenhydrate. Durchoptimierte Genussmittel, wie auch die E-Zigarette eines ist, liegen voll im Trend. Aber was ist dran am elektrischen Glimmstängel? Was sagen die Konsumenten und was die Wissenschaft?

Das Funktionsprinzip einer E-Zigarette ist einfach: Ein sogenanntes Liquid (Flüssigkeit) wird durch ein Heizelement verdampft und der Dampf inhaliert. Die Auswahlpalette an E-Zigaretten ist mittlerweile, wie Sie beispielsweise hier sehen können. Auch die Liquids gibt es in diversen Geschmacksrichtungen und Preisklassen, wobei immer mehr „Dampfer“ ihren Sprit selbst mischen. Die erste elektrische Kippe kam 2003 auf den Markt. Heute gibt es mehr als 460 Marken; zwischen 2010 und 2014 ist der Umsatz von E-Zigaretten laut Branchenangaben von fünf auf über 150 Millionen Euro pro Jahr angewachsen.

ezigaretten-zubehoerDer erste augenscheinliche Vorteil der E-Zigarette liegt darin, dass dabei kein Rauch, sondern Dampf inhaliert wird. Auch ist sie billiger als normales Rauchen. Die Anschaffungskosten sind schnell raus. Und ob man dann mit oder ohne Nikotin dampft, kann jeder selbst entscheiden (das Gefühl des „Ziehens, das für alle Raucher so wichtig ist, bleibt allerdings erhalten). Für viele verspricht die E-Zigarette deshalb eine Chance zu sein, mit dem Rauchen Schluss zu machen. Allerdings gibt es auch Dampfer, die die E-Zigarette lediglich als Erweiterung ihres Raucherhandelns gebrauchen: Da, wo normales Rauchen untersagt ist, qualmen sie einfach elektrisch. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass sie sozusagen durchgehend rauchen.

Erste wissenschaftliche Studien kommen indes zu dem Schluss, dass die E-Zigarette tatsächlich „gesünder“ zu sein scheint als gewöhnliches Rauchen. Jedoch ist dieser Schluss ein noch sehr riskanter, da es nicht die eine E-Zigarette, sondern zig unterschiedliche Modelle und auch Liquids gibt. Zudem fehlen schlichtweg Langzeitstudien, die über mehrere Jahre hinweg Dampfer und Raucher vergleichen. Für die E-Zigarette spricht jedenfalls die im Zuge der Erforschung von Tabakrauch gewonnene Erkenntnis, dass Nikotin nicht das Hauptproblem beim Rauchen darstelle. Vielmehr seien es die beim Verbrennen entstehenden Begleitstoffe. Nikotin macht süchtig, krebserregend sind dagegen eher die Begleitstoffe, könnte man zusammenfassen.

Gänzlich schadstofffrei ist die E-Zigarette aber definitiv nicht. Einerseits hängt der Schadstoffanteil von der Qualität der Liquids ab; andererseits spielt die Höhe der Spannung und die damit einhergehende Betriebstemperatur eine große Rolle. Je höhere die letztere, desto mehr giftiges Formaldehyd entsteht, was unter anderem zur Reizung der Atemwege führen kann. Grundsätzlich aber scheinen die Vorteile der E-Zigarette bisher klar zu überwiegen, da es den meisten Konvertiten tatsächlich gesundheitlich besser geht als vorher. Auch Passivrauchen scheint nicht signifikant gesundheitsschädigend zu sein.

Stiftung Warentest zieht in einer Auswertung bislang stattgefundener Studien das Resümee, dass die E-Zigarette wohl für diejenigen, die ohnehin schon Rauchen, eine möglicherweise vorteilhaftere Alternative, wenn nicht gar ein Weg in die Rauchfreiheit sein kann. Dagegen sollte man aber auch immer im Hinterkopf haben, dass die E-Zigarette gerade auch den Ein-stieg in das Rauchen ebenen kann. Hier gilt es Vorsicht walten zu lassen. Letztlich werden es die Langzeitstudien zeigen müssen, wie „gesund“ oder „ungesund“ das moderne Dampfen tatsächlich ist.

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