Private Krankenversicherung wird immer teurer
Rund neun Millionen Menschen sind in Deutschland derzeit privat versichert. Nicht mitgezählt werden diejenigen, die zusätzlich zur gesetzlichen Krankenkasse noch private Zusatzversicherungen haben. Die Beiträge der meisten privaten Krankenkassen steigen jährlich, wobei die Anpassungen der Beiträge immer höher ausfallen. Viele der größten privaten Versicherungsgesellschaften führen für 2012 Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich durch, einige Anbieter garantieren gleichbleibende Beiträge bis Anfang 2013. Im Regelfall steigen die Erhöhungen der Beiträge für bestehende Verträge deutlich geringer, als bei Kunden, die einen neuen Vertrag abschließen.
Welche Parameter sind für die ständig steigenden Kosten verantwortlich?
Vorab sei angemerkt, dass die Versicherungsgesellschaften ihre Tarife nicht willkürlich erhöhen dürfen. Beitragserhöhungen müssen von einem unabhängigen Treuhänder genehmigt werden. Es existiert eine Vielzahl von Gründen dafür, dass die private Krankenversicherung immer teurer wird.
In der Medizin steigen die Kosten für Leistungen im Gesundheitswesen
Erhöhte Preise für Medikamente, neue kostspielige Verfahren zur Bekämpfung diverser Krankheiten bzw. deren Prophylaxe, die zum einem personalintensiv sind, zum andern teures, zusätzliches, technisches Equipment erfordern, lassen die Kosten in die Höhe schnellen. Ebenso steigen die Ausgaben für Ärzte, Krankenschwestern, Pflegekräfte und weiteres medizinisches Personal durch den Abschluss höherer Tarifverträge.
Die Versicherten werden immer älter
Laut Prognose des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Menschen, die 80 Jahre und älter sind bis zum Jahr 2050 auf mehr als 10 Millionen ansteigen. Im Jahre 2008 gab es rund vier Millionen Bürger in dieser Altersgruppe. Je älter der Mensch wird, um so höher ist das Risiko zu erkranken, und auch dauerhaft zu erkranken. Die vorausgesagten Schätzungen für sog. Alterskrankheiten wie beispielsweise Demenz, Diabetes Typ 2 oder rheumatische Erkrankungen sind erschreckend. Auch steigt mit zunehmendem Alter das Risiko auf Krebsleiden. Die privaten Krankenversicherer müssen, ebenso wie die gesetzlichen Kassen, zunehmend höhere finanzielle Mittel rückstellen, das wiederum trägt ebenfalls dazu bei, dass die private Krankenversicherung immer teurer wird.
Die privaten Versicherer sind an ihre Verträge gebunden
Die privaten Anbieter müssen sich an die abgeschlossenen Verträge halten. Sie haben nicht die Möglichkeiten, die einer gesetzlichen Krankenkasse zustehen, wie Leistungen zu kürzen, zu streichen, die Zuzahlung zu Medikamenten zu erhöhen oder eine Praxisgebühr zu erheben, um so den steigenden Kostendruck zu senken. Nur bei Festlegung neuer Tarife besteht Gestaltungsfreiheit. Durch Ausklammern bestimmter Leistungen kann den steigenden Beiträgen entgegengewirkt werden. Aufwendige Verfahren können im angebotenen Leistungskatalog gestrichen werden. Diesen Weg gehen einige Privatversicherer, um die Beitragserhöhungen moderat zu gestalten.
Einheitliche Leistungstarife für Männer und Frauen.
Fachleute gehen davon aus, dass die Einheitstarife für Männer und Frauen, die ab Dezember 2012 für alle privaten Anbieter verbindlich vorgeschrieben sind, ebenfalls zu einer Erhöhung der Beiträge führen können. Die Gleichbehandlung der Geschlechter zieht die Gleichbehandlung der Risikofaktoren nach sich. Davon wären dann insbesondere Männer, die in die private Krankenkasse wechseln, betroffen. Bestehende Verträge bleiben weiterhin zu den abgeschlossenen Bedingungen gültig.
Einsparpotenzial für Versicherte
Damit die private Krankenkasse nicht immer teurer wird, sollte jeder, der privat versichert ist, den Leistungskatalog seiner Versicherung überprüfen und überlegen, ob ggf. Leistungen gestrichen werden können, oder ob ein anderer Anbieter günstiger ist. Private Krankenversicherungsrechner sind ein nützliches Instrument zur Orientierung.


